Dash Cams werden immer beliebter – und können durchaus in rechtlichen Grenzsituationen hilfreich sein. 70mai ist bereits seit 2016 dabei und ist entsprechend erfahren auf dem Gebiet und bringt immer mehr Technik in ihre Kameras. So auch mit der Neuauflage der 70mai Dash Cam 4K Omni aus diesem Test, die in dieser Neuauflage nicht mehr auf einen integrierten Speicher setzt, sondern auf microSD-Karten. Ansonsten gibt es neben der rotierbaren Frontkamera eine einfachere Rück-Kamera und optional ist einiges an Zubehör erhältlich. Im 70mai Dash Cam 4K Omni Test checken wir, was dieses Kamera-Set leistet und wie einfach es im Alltag einzusetzen ist.
Spezifikationen
| Sensor vorne | Sony Starvis 2 IMX678, 3840 x 2160, 1/1,8″ |
| Sensor hinten | Sony Starvis 2 IMX662, 1920 x 1080, 1/2,8″ |
| Objektiv vorne | Blende 1,7, Blickwinkel 146° |
| Objektiv hinten | Blickwinkel 130° |
| Speicher | MicroSD |
| Drehbarkeit | 360° |
| Kabel | 3,5 m für Frontkamera, 6 m für Heckkamera |
| GPS | ja, Dokumentation von Position und Geschwindigkeit |
| Preis | € 359,99 * |
Rechtliche Informationen zur Verwendung von Dash Cams
- Aus Datenschutzgründen dürfen Dash Cams nur zeitlich begrenzt aufnehmen
- Dash-Cam-Aufnahmen sind im Falle eines Unfalls zulässig
- In unterschiedlichen Ländern sind sehr unterschiedliche Bestimmungen zu beachten
Informationen vorweg: Wer Dash Cams verwenden möchte, sollte wissen, wie es in diesem Bereich rechtlich aussieht. Über lange Zeit war das in Deutschland recht kompliziert, aber seit dem wegweisenden Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 15. Mai 2018 (Az. VI ZR 233/17) hat sich die Rechtslage für Dash Cams in Deutschland klarer gestaltet. Die permanente, anlasslose Aufzeichnung des Verkehrsgeschehens bleibt zwar ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), da sie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung anderer Verkehrsteilnehmer verletzt.
Die entscheidende Festlegung des BGH war jedoch, dass solche Aufnahmen in einem zivilrechtlichen Unfallprozess trotzdem als Beweismittel verwertbar sein können. Eine automatische Unverwertbarkeit (Beweisverwertungsverbot) besteht nicht. Stattdessen muss das Gericht im Einzelfall eine Interessenabwägung vornehmen. Das Interesse an der Aufklärung eines Unfalls und der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen wiegt dabei oft schwerer als der Datenschutzverstoß des Filmenden.
Um datenschutzkonform zu handeln, wird die Verwendung von Dash Cams mit einer „Loop-Funktion“ empfohlen. Diese Geräte zeichnen in kurzen Schleifen auf und überschreiben die Daten permanent. Diese Funktion ist bei der 70mai Dash Cam Omni gegeben; hier werden etwa die letzten 4 Stunden der Fahrt gespeichert und anschließend gelöscht. Nur bei einem Ereignis sollte die Aufnahme dauerhaft gespeichert werden. Diese anlassbezogene Speicherung wird als zulässig erachtet. Die Veröffentlichung von Aufnahmen, auf denen Personen oder Kennzeichen identifizierbar sind, ist ohne explizite Einwilligung weiterhin strengstens verboten. Auch im 70mai Dash Cam 4K Omni Test folge ich dieser Regelung und bearbeite entsprechende Bilder und Videos.
Auch interessant ist es zu wissen, wie die Lage in umliegenden Ländern aussieht. Hier hat der ADAC eine sinnvolle Liste erstellt, über die erkennbar ist, ob man eine Dash Cam verwenden darf oder nicht.
Verpackung und Lieferumfang
- Robuste Verpackung
- Kabel sind in seitlichen Innenschachteln verpackt
- Eine untere Schachtel beinhaltet Anleitungen und Montage-Zubehör und -Ersatz
Die Verpackung der 70mai Dash Cam 4K Omni aus diesem Test ist recht ansprechend und robust. Die Packung ist in einer Plastikfolie eingeschweißt, unter der sich der feste Karton befindet, der einen guten Schutz liefert. Nimmt man die Oberseite ab, blickt man auf die beiden Kameras – die große für vorne und die kleine für hinten.
Die Schale, in der die beiden sitzen, gibt durch das Entfernen den Blick frei auf die darunter befindlichen Zubehörschachteln. In einer findet sich das 3,5 m lange USB-A- auf USB-C-Kabel zur Stromversorgung zusammen mit dem dazugehörigen Anschluss für den 12-V-Stecker für den Zigarettenanzünder. In der anderen Schachtel findet sich das 6 m lange Kabel zur Verbindung der hinteren Kamera und ein Werkzeug zum Anheben der Autoverkleidung, damit man die Kabel ordentlich und sicher verlegen kann.
Ganz unten sitzt noch eine flache Schachtel. In dieser findet man die Anleitung für die Frontkamera in insgesamt 16 Sprachen und eine separate Anleitung für die Rückkamera in fünf Sprachen. Deutsch und Englisch sind aber immer dabei und auch gut leserlich und verständlich. Außerdem liegen hierin noch die Klebeflächen für die Montage der Kameras.
Einrichtung
- Eine Kunststofffolie sorgt dafür, dass die Kamera nicht direkt auf die Autoscheibe geklebt wird
- Winkel ist passend zur Frontscheibe einstellbar
- MicroSD muss eingesetzt werden
- Kabel haben eine großzügige Länge
Zunächst steht die Montage der 70mai Dash Cam 4K Omni an. Um die Kameras nicht direkt an die Scheibe zu kleben, werden die bereits genannten „Kunststoffaufkleber“ mitgeliefert, die zunächst auf der Schreibe befestigt werden. Auf diese werden die Kameras geklebt, wobei es genug Ersatz im Lieferumfang gibt, um die Montage mehrfach durchzuführen. Beispielsweise, wenn die Kameras irgendwann doch in ein anderes Auto eingebaut werden sollen.

Hier sollte man beachten, dass die Frontkamera die Sicht des Fahrers nicht einschränkt. Optimal ist das meist entweder über der Beifahrerseite oder unter dem Rückspiegel in der Mitte. In letzerer Position habe ich die Kamera in unserem 70mai Dash Cam 4K Omni Test montiert, wobei das verwendete Auto ein Fiat Ducato ist und gar keinen Rückspiegel in entsprechender Position besitzt.
Nun haben unterschiedliche Autos ganz unterschiedliche Winkel der Frontscheibe und so gibt es auch die Möglichkeit den Winkel entsprechend anzulassen, damit man auch gut nach vorne filmt und nicht in den Himmel.

Dann werden die Kabel angeschlossen. Das vordere Kabel ist 3,5 m lang, das Kabel zur Rückkamera liegt bei 6 m. Das reicht, um die Kabel in den meisten Autos sinnvoll zu verlegen und auch unter der Verkleidung zu verstecken. Im Ducato war das Kabel nach hinten dann doch zu knapp, um es nicht mitten durch den Raum baumeln zu lassen – aber so ein Camping-Mobil hat dann doch nicht jeder.
Erster Start und Handy-App
- Stromversorgung, wenn die Zündung eingeschaltet ist
- Einrichtung geschieht via App mit Account-Pflicht
- Steuerung wahlweise über Stimme oder über App
Wenn also das USB-Kabel zur Stromversorgung steckt und bestenfalls auch die hintere Kamera verbunden ist, kann es losgehen. Das Aktivieren der Zündung versorgt die Dash Cam mit Strom und die Kamera startet.

Neben der Sprachsteuerung kann man auch eine Smartphone-App zur Steuerung nutzen und darüber auch die Videos und Bilder herunterladen, wenn man nicht die Speicherkarte direkt aus der 70mai Dash Cam 4K Omni herausnehmen und in einen Rechner stecken will. Diese App ist verfügbar für Android und für iOS. Allerdings muss man einen Account anlegen mit hinterlegter Mailadresse, über welche man auch einen Code geschickt bekommt zur Verifizierung.
Hat man die Verbindung hergestellt, kann man Einstellungen via Smartphone durchführen, beispielsweise die Kamera drehen.
Beim Beenden wird man durch einen winkenden Smiley verabschiedet.

Updates
- Automatische Benachrichtigung über neue Version in der App
- Simple Installation mit wenigen Klicks
Wie zu erwarten war, gibt es auch für Dash Cams gelegentlich Updates. Hauptsächlich betreffen diese Fehlerausbesserungen. Diese Updates werden im Falle von 70mai in der App angezeigt, sobald man diese startet. Der Prozess ist recht simpel: Die Verbindung zur Kamera muss stehen, dann kann man die neue Firmware herunterladen und dann an die Kamera schicken.
Diese trennt nun die Verbindung, stoppt die Aufnahme und startet das Update. Nun sollte man natürlich auf jeden Fall darauf achten, die Stromversorgung nicht zu trennen.
Im 70mai Dash Cam 4K Omni Test habe ich trotz des recht großen Versionssprungs in der Praxis keinerlei Unterschiede feststellen können. Kurzum: Es wurden Fehler behoben, die bei mir nicht aufgetreten sind. Aber gut – dann werden diese auch zukünftig nicht auftreten, schätze ich.
Insgesamt war der Update-Prozess relativ simpel und war nach etwa 5 Minuten abgeschlossen.
App-Nutzung
- Einige Einstellungen möglich, aber kaum nötig
- Vollansicht des Kamerabildes auf dem Smartphone – auch mit Wechsel auf die hintere Kamera
Wenn man die App öffnet und sich mit der 70mai Dash Cam 4K Omni verbunden hat, bekommt man die Kamera angezeigt, darunter gibt es die Steuerung für Fotos, für die Kameraausrichtung und die Wahl der Rückkamera. Außerdem kann man auf das Album zugreifen und auf die Einstellungen. Im Album gibt es die Auswahl zwischen den einzelnen Ordnern („Kategorien“) oder auf die „Zeitleiste“. Da die Vorschau in den Ordnern oft ähnlich aussieht, ist die Zeitleiste gut, um spezielle Aufnahmen oder Ereignisse zu finden, wenn man weiß, wann diese stattgefunden haben.
In den Einstellungen kann man dann eine Menge Kleinkram ändern – von Dingen, die angezeigt werden über die Standard-Ausrichtung des Objektivs, Einstellungen für Drehung und Spiegelung und mehr.
Insgesamt kann man ziemlich weit ins Menü scrollen, aber ganz ehrlich: So wirklich das Gefühl, dass man darin viel anpassen sollte, habe ich nicht.
Bei Verbindung mit der Dash Cam wird außerdem die Ansicht auf der Kamera auf das Verbindungs-Symbol im Smiley-Format gewechselt mit einem türkis leuchtenden Ring – und nun findet die Steuerung komplett über die App statt.

Wenn man sich auf der Startseite befindet, wird die Kameraansicht in Klein angezeigt, doch darauf findet man auch ein Symbol zur Vergrößerung. Nun bekommt man im Breitbild die volle Ansicht des Kamerabildes – um Welten besser als über den Mini-Bildschirm der Dash Cam, außerdem in ordentlicher Größe und dauerhaft, wogegen die 70mai 4K Omni relativ schnell die Live-Ansicht auf die Uhrzeit wechselt.

Nach einem kurzen Tipp auf das Smartphone-Display bekommt man eine Auswahl, die die Drehung der Frontkamera beinhaltet wie auch die Möglichkeit, auf die hintere Kamera zu wechseln oder den Vollbildmodus wieder zu verlassen.
Sensor und Objektiv
- Gute CMOS-Sensoren von Sony
- Objektive sind extrem weitwinklig und recht lichtstark
Die Frontkamera aus dem Set des 70mai Dash Cam 4K Omni ist mit einem lichtstarken Objektiv mit Blende 1,7 ausgestattet und kommt mit einem verhältnismäßig großen 1/1,8″-Sensor. Diese Sensorgröße ist typisch für Kompaktkameras. Das hintere Objektiv kommt mit einem kleineren 1/2,8″-Sensor, was die typische Größe für Handy-Kameras ist. Beide Sensoren basieren auf CMOS-Technik und sind Starvis-2-Modelle von Sony, einem der größten Hersteller für Sensoren und das ist durchaus ein Qualitätsmerkmal.
Das Objektiv der Frontkamera ermöglicht einen sehr extrem weitwinkligen Blick von 146°, während die hintere Kamera mit 130° noch immer sehr weit ist, aber nicht so extrem. Diese starken Weitwinkel sorgen dafür, dass das Bild schon etwas verzerrt, dass also die Dinge zum Bildrand hin etwas breit gezogen wirken. Auch gerade Linien werden gewölbt.

Insgesamt ist diese Ausstattung also durchaus solide. Optional ist für die Frontkamera ein Polfilter erhältlich. Dieser ist gut, wenn man viel bei Tageslicht fährt und Spiegelungen aus der Frontscheibe reduzieren will für einen klareren Blick nach draußen. Allerdings reduziert dieser auch das einfallende Licht insgesamt ein bisschen, weshalb eine Nutzung bei wenig Licht, also nachts oder bei starker Bewölkung, kontraproduktiv ist.
Bildschirm
- Kleiner, quadratischer Bildschirm auf der Rückseite
- Helligkeit lässt sich nicht reduzieren, falls die Uhrzeitanzeige nachts blendet
- Blick von der Seite teilweise eingeschränkt
Auf der Rückseite der 70mai Dash Cam 4K Omni befindet sich ein kleiner quadratischer Bildschirm.

In der Praxis zeigt sich der Bildschirm als nicht übermäßig detailliert und durch das Format werden die Ränder des Bildes abgeschnitten. Aber die Aufnahme wird auch nur wenige Sekunden angezeigt, bis die Anzeige auf die Uhrzeit wechselt. Aber gut; letztendlich hat man als Fahrer eh den Blick live auf der Straße. Doch es gibt noch zwei Haken mit dem Bildschirm:

Einerseits ist je nach Blickwinkel die Sicht auf den Bildschirm mit der Uhrzeit nicht so gut. Andererseits habe ich keine Möglichkeit gefunden, die Helligkeit zu regulieren. Gerade beim Fahren in der Dunkelheit kann das ein wenig störend wirken.
Letztendlich ist der Bildschirm also nicht beeindruckend, aber praktisch gesehen ist er auch nicht so wichtig, da man diesen primär für die Einrichtung und den aktuellen Status („Läuft die Aufnahme?“ / „Wird mein Sprachbefehl umgesetzt?“) braucht.
Handhabung
- Die Kabel lassen sich unter der Verkleidung des Autos verstecken
- Die Kamera besitzt einen Bajonett-Anschluss und kann abgenommen werden
Nicht immer ist es von Vorteil, eine Kamera in der Scheibe sichtbar zu haben – solange die Kamera nicht fest verkabelt ist mit der Überwachungskamera-Funktion. Und die Klebeverbindung will man ja auch nicht lösen. Daher ist es gut, dass die Kamera einen Bajonettverschluss verbaut hat – eine kurze Drehung und man hat die Kamera in der Hand und kann das Kabel lösen. Nun lässt sich die Kamera mitnehmen oder im Handschuhfach einschließen.

Die Kabel – einmal für die Stromversorgung der Hauptkamera und einmal für den Anschluss der Rückkamera – lassen sich jedoch hinter der Verkleidung verstecken, sodass nur das Ende der Kabel in Richtung Anschluss heraussehen.
Mit der hinteren Kamera ist das nicht so einfach, aber diese ist durch ihre kompaktere Konstruktionsweise sowieso unauffälliger.
Wie funktioniert die Speicherung?
- Es werden rückwirkend rund vier Stunden aufgenommen und danach wieder überschrieben
- So reicht der Speicherplatz dauerhaft aus und Anforderungen an Dash Cams werden erfüllt
- Gesondert gestartete Aufnahmen bleiben dauerhaft in eigenen Ordnern gespeichert
- Video-Format: MP4 in H.265
Durch das Formatieren der Speicherkarte werden ein paar Ordner auf der Speicherkarte angelegt, in denen unterschiedliche Dinge gespeichert werden. Einerseits „Normal“ für die Standard-Aufnahmen, die dauerhaft laufen und andererseits Ordner für Fotos, für dediziert gestartete Videoaufnahmen und für „Vlogs“. Die Kamera nimmt dauerhaft Videos auf und speichert jede Minute eine Datei – aber bei rund 240 MB pro Minute bei der Frontkamera und gut 60 MB pro Minute sind die 128 GB der Speicherkarte natürlich nur für knapp fünf Stunden ausreichend. Die neue Datei pro Minute erleichtert die Suche, wenn man ein Event zu einer bestimmten Uhrzeit sucht – hierzu kann man einfach die Speicherzeit der Datei betrachten.
Wenn aber der Ordner „Normal“, in dem die Daueraufnahme gespeichert wird, mit knapp 100 GB gefüllt ist, werden die ältesten Dateien gelöscht und durch neuere Aufnahmen ersetzt. Der restliche Speicherplatz ist frei für gesondert getriggerte Aufnahmen, die nicht gelöscht werden. Das reicht für eine ganze Weile. So ist einerseits sichergestellt, dass die Aufnahmen im Loop durchlaufen können und andererseits wird dafür gesorgt, dass die Speicherkarte nicht irgendwann vollläuft. Das bedeutet, dass die Aufnahmen von Front- und Rückkamera insgesamt rund vier Stunden rückwirkend gespeichert werden.
Apropos Speicherung: Die Videodateiern werden in H.265 als .mp4 gespeichert, was eine bessere, neuere Komprimierung als das üblichere H.264 ist, aber es gibt Programme und Endgeräte, die mit diesem Codec Probleme haben.

Wenn man die niedrige Kompression eingestellt hat, erinnert einen die App aber bei jedem Start daran, wenn das Smartphone auch die hohe Kompression unterstützt, aber Videos werden dann mit dem weiter verbreiteten H.264-Codec gespeichert. Beispielsweise mein Videoschnitt-Programm, Blackmagic DaVinci Resolve, kann nativ damit umgehen, während die Dateien mit der werksseitig eingestellten „hohen Kompression“ erst konvertiert werden müssen.
Sprachbefehle und Aufnahme-Modi
- Bilder und Videos können gestartet werden
- Drehung der beweglichen Frontkamera über Sprachbefehle möglich
- Alle Sprachbefehle auf Englisch
Abgesehen von den Standardaufnahmen, die immer laufen, kann man auch gesonderte Aufnahmen anfertigen, die in anderen Ordnern gespeichert werden. Die Sprachbefehle gibt es allerdings nicht auf Deutsch; hier muss Englisch verwendet werden. Das ist eigentlich sogar ganz in Ordnung, da man diese eher nicht so im normalen Gespräch einbindet.
Die typischen Befehle sind „Record Video“ – hier wird ein Video aufgenommen von rund einer halben Minute Länge, bei der die letzten 20 Sekunden und ab Sprachbefehl 10 weitere Sekunden gespeichert werden. „Take Photo“ speichert einen einfachen Frame aus dem Video ab – auch inklusive der Informationen, wie GPS-Position und Geschwindigkeit. „Take Selfie“ dreht die Kamera in Richtung Auto-Innenraum und schießt ein Foto mit einem 3-Sekunden-Timer. Dann dreht sich die Kamera wieder nach vorne. „Shoot Vlog“ nimmt ein kurzes Video auf, bei dem die Kamera panoramamäßig von rechts nach links dreht und am Ende direkt in den Innenraum des Autos filmt. Übrigens: „Take Photo“ ist auch dadurch ganz cool, dass auf dem Bild ebenfalls die Informationen gespeichert werden, wie beispielsweise die GPS-Daten. Somit kann man einfach an Orten, die man sich merken möchte, ein Bild machen und diese Stelle anhand der Daten wieder finden.
Dann gibt es noch ein paar Befehle, mit denen man die Kameras steuern kann. „Switch Rear View“ zeigt auf dem kleinen Bildschirm die hintere Kamera an, „Switch Front View“ geht auf die vordere Kamera. „Turn Left“ und „Turn Right“ dreht die Kamera zur Seite, um so möglicherweise durch die Seitenfenster aufzunehmen. „Camera Reset“ sorgt dafür, dass die Kamera sich wieder nach vorne dreht.
Analyse der Bildqualität
- Sehr guter Bildeindruck
- Weitwinkelverzerrung
- Nachts nimmt die Qualität stark ab, was die Leserlichkeit von Details reduziert
Die technische Grundlage mit den guten Sensoren und dem lichtstarken Objektiv bietet gute Voraussetzungen und zusätzlich werden die Bilder inten mit einer KI aufbereitet. Das sorgt tatsächlich für einen guten Bildeindruck, wenig Bildrauschen und klare Farben. Ein bisschen hadere ich jedoch mit dem extremen Weitwinkel. Klar ist es einerseits gut, so viel wie möglich im Bild zu haben, aber Schriftzüge – wie auch Kennzeichen – werden natürlich kleiner angezeigt, was etwas auf die Leserlichkeit gehen kann.
Da hätte ich persönlich eine etwas größere Brennweite bevorzugt, mit der der kaum sinnvoll nutzbare Rand weggeschnitten wäre zugunsten einer größeren Darstellung des restlichen Bildbereichs. Denn auch wenn die Schriften und Kennzeichen zur Mitte hin besser leserlich sind, sind sie mit dem extremen Weitwinkel trotz 4K-Auflösung oft so klein, dass man recht nah mit dem Auto dran sein muss, um etwas genau erkennen zu können. Kennzeichen von Autos im Gegenverkehr sind bei der Fahrt meistens nicht zu erkennen, insbesondere nicht nachts.
Nachts ist generell die Erkennbarkeit von Details recht eingeschränkt, also Schriften, Kennzeichen und Schilder sind schwer bis nicht leserlich. Tagsüber dagegen ist das kein Problem: Hier ist keine so große Rauschreduzierung nötig, die die Details zusammenschmieren könnte. Hier sind die Kennzeichen besser lesbar, die Schilder sowohl in der Bildmitte als auch am Rand und gelegentlich auch Kennzeichen im Gegenverkehr. Klar muss man hierfür pausieren und Standbilder ansehen – in der Bewegung geht das zu schnell, um erkennbar zu sein. Nachts hilft auch das nicht.
Das Bild selbst wirkt sehr sauber und die Begegung „smooth“. Selbst wenn man holprigere Abschnitte fährt, wie beispielsweise über Bahnübergänge, wackelt das Bild nicht, wie man es erwarten würde.
Das Bild wirkt sehr gut, scharf, farblich ansprechend, sanft und es macht Spaß, sich die Aufnahmen anzusehen. Aber wenn man die Aufnahmen tatsächlich mal als Beweis braucht (sei es als Zeuge eines Unfalls, einer Fahrerflucht oder wenn man selbst in einen Unfall verwickelt ist) und Kennzeichen lesen können muss, sehe ich zumindest nachts gewisse Einschränkungen.
Kurzer Blick auf die hintere Kamera
- Ebenfalls starke Weitwinkelverzerrung
- FHD-Auflösung mit geringeren Details
- Hilfreich, um zu dokumentieren, was hinter dem Auto passiert
Auch die hintere Kamera verzerrt das Bild durch den Weitwinkel stark. Insgesamt ist der Bildeindruck auch in Ordnung, aber durch die auf 1/4 reduzierte Auflösung gehen viele Details verloren. Und was in unserem 70mai Dash Cam 4K Omni Test problematisch ist, das ist die Rückscheibe meines Autos, die getönt und kontrastarm ist. Das ist am nicht so tollen Eindruck viel eher schuld als die Kamera selbst. Der dunkle Balken links im Bild ist die Fahrradaufhängung meines Autos.
Die vordere Kamera ist schon der wichtigere Part im Set, aber die hintere Kamera ermöglicht es dennoch, gespeichert zu haben, was hinten passiert. Oft werden so Drängler sichtbar oder man hat dokumentiert, wenn Autos mit überhöhter Geschwindigkeit anfahren oder eine seltsame Fahrweise draufhaben.
Analyse der Soundqualität
- Sehr niedrige Aufnahmequalität, außerdem mono
- Effiziente Rauschreduzierung
- Standardmäßig deaktiviert
Standardmäßig war im 70mai Dash Cam 4K Omni Test die Soundaufnahme am Gerät deaktiviert. Aber im Menü kann die Einstellung schnell und problemlos angepasst werden. Klar: Audioaufnahmen sind nicht unbedingt das Wichtigste bei einer Dash Cam, aber gelegentlich kann es schon sinnvoll sein. Beispielsweise, wenn man Kennzeichen diktiert, weil man nicht sicher ist, ob dieses auf der Kamera erkennbar ist.
Aber mehr als ein Behelfsmittel ist das nicht. Hintergrundgeräusche, wie das Rauschen vom Fahrtwind und dem laufenden Motor, werden effektiv ausgeblendet, aber klanglische Rauschentfernungsartefakte sind recht deutlich. Dadurch kann man zwar verstehen, was gesagt wurde, aber es ist jetzt nicht so, dass man die Audiospur in einem Podcast verwenden wollte. Was man wahrnimmt, ist das „Wusch“-Geräusch vorbeifahrender (bzw. entgegenkommender) Fahrzeuge.
Hier mal ein Ausschnitt aus einer Unterhaltung, wo Dash Cams eingesetzt werden dürfen und wo sie abgenommen werden müssen:
Es können auch keine dedizierten Audio-Dateien aufgenommen werden, sondern diese Aufnahme wurde einem Video entnommen. Die Audiospur der Videos wird mit dem AAC-Codec als Monospur bei etwa 64 kb/s gespeichert mit einem recht schmalen Dynamikumfang von 16.000 Hz. Das ist schon sehr nah am Minimum – die Audiospur beeinflusst die Dateigröße entsprechend sehr geringfügig. Das sind lediglich rund 0,3% mehr Speicherplatz, die man durch die Aktivierung der Audiospur braucht. Was das angeht, muss man sich also keine Sorgen machen.
Optional erhältliches Zubehör
- Ein Polfilter hilft bei blendenden Scheiben im Sonnenlicht
- Ein Hardwire-Kit ist für die dauerhafte Montage im Auto mit fester Stromversorgung möglich
- Das Hardwire-Kit erhöht den Funktionsumfang um eine Überwachungskamera-Funktion
- Über das Hardwire-Kit sind der Fernzugriff via App möglich und auch GPS-Ortung
Wie bereits erwähnt, gibt es für die 70mai Dash Cam 4K Omni eine ganz solide Auswahl an Zubehör. Hierzu gehört der bereits erläuterte Polfilter, der bei Sonneneinstrahlung für eine Reduktion der Reflexionen in der Scheibe sorgt.

Außerdem gibt es ein Set zur festen Verkabelung der Dash Cam, das auch ermöglicht, eine SIM-Karte einzulegen und somit eine Verbindung im Stand herzustellen, beispielsweise als Überwachungskamera.
Hiermit lässt sich der Funktionsumfang der 70mai Dash Cam 4K Omni deutlich erhöhen. Abgesehen von der Funktion als Überwachungskamera zum Schutz des Fahrzeugs mit Push-Nachrichten auf das Handy bei verdächtigen Aktivitäten kann man hiermit auch eine GPS-Ortung nutzen. Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn man mal wieder etwas weiter weg parken musste oder in unbekannten Umgebungen. Klar – hier wird die Autobatterie angezapft. Die Sache hat nur zwei Haken: Einerseits braucht man eine weitere SIM-Karte hierfür, was zusätzliche monatliche Kosten verursacht. Zweitens ist der tägliche Zugriff auf ein paar Minuten limitiert. Das wird in den meisten Fällen reichen, aber es gibt durchaus Grenzfälle, bei denen das problematisch werden könnte.
Fazit
Insgesamt finde ich die 70mai Dash Cam 4K Omni sehr cool. Die Einrichtung ist nicht zu schwer und die Bildqualität ist gut – wenn auch für meinen persönlichen Geschmack etwas zu weitwinklig. Wenn man die Qualität mit der von diversen Dash-Cam-Youtube-Channels vergleicht, muss man schon sagen, dass das Modell von 70mai doch ganz vorne mitspielt, wenn es um den Bildeindruck geht – sowohl bei Tag als auch bei Nacht.
Nobody is perfect – der Bildschirm ist nicht überragend; wer also gehofft hat, die Dash Cam auch als Rückfahrkamera zu nutzen: Nope, ist nicht. Aber insgesamt bietet dieses Modell eine sehr solide Grundlage und ich halte sie für durchaus empfehlenswert, zumal die Videoqualität auch ganz ansprechend ist.
VORTEILE
- Guter Bildeindruck
- Speicherung auf MicroSD
- Bewegliche Kamera
- Gute Reaktion auf Sprachbefehle
- Für Einsteiger verständliche Anleitung in vielen Sprachen
- Einfacher Aufbau mit großzügigen Kabeln
- Viele Modi für Bilder und Videos
NACHTEILE
- Extremer Weitwinkel geht teilweise auf Kosten der Details
- Je nach Winkel schwer sichtbarer eingebauter Bildschirm
- Zur Einrichtung ist ein Smartphone mit einem Accountzwang nötig
- Soundqualität ist niedrig
Fazit
Die 70mai Dash Cam 4K Omni bietet ein sehr ansehnliches, hochauflu00f6sendes Bild, eine angenehme Handhabung und einen sehr weiten Blickwinkel.
